Nahversorgung
Direktvermarktung bündeln-
regionale Produkte stärken
Versorgungslücken durch mobile Versorger schließen
Bewusstsein für regionale Einkaufskultur schaffen
Aufgrund der geringen Einwohnerzahlen der einzelnen Ortschaften und vorliegenden Studien über Wirtschaftlichkeit von Dorfläden, sollte eine mögliche Neuansiedlung von dezentralen Dorfläden hinten angestellt werden. Auf Zustimmung im Arbeitskreis gestoßen ist hingegen die Idee, an einem zentralen Standort ein Leuchtturmprojekt zu initiieren, das verschiedene (Direkt)Ver-markter regionaler Produkte bündelt und mit weiteren Dienstleistungen ergänzt. Ein entsprechendes Pilotprojekt ist bereits in der Planung und soll im Jahr 2015 in Dörfles-Esbach umgesetzt werden. Die im Arbeitskreis diskutierten alternativen Strategien, die im Coburger Land langfristig die drohenden oder bereits entstandenen Nahversorgungslücken schließen könnten, stellen eine Entscheidungshilfe für die politisch Verantwortlichen dar. Allen voran die mobilen Lebensmittelhändler und -handwerker (Bäcker, Metzger) mit ihren Verkaufswagen stellen nach Ansicht der Experten eine flexibel an die jeweiligen (räumlichen) Bedingungen anpassbare und kostenbewusste Versorgung von (immobilen) Menschen sicher und erhöhen damit die Lebensqualität in den einzelnen Ortschaften. Sicherlich bedarf es engagierter und überzeugender Menschen in den Städten und Gemeinden, die an eine solche Entscheidungshilfe mit konkreten Aktivitäten ansetzen. Vor dem Hintergrund enger werdender finanzieller Spielräume der Kommunen, sind daher vor allem die politisch Verantwortlichen gefragt. Bürgerschaftliches Engagement für die lokale Nahversorgung muss gefördert werden und eine enge Abstimmung mit den Gewerbetreibenden stattfinden. In Neustadt bei Coburg und in der Gemeinde Sonnefeld ist im Oktober 2013 ein Pilotprojekt zur mobilen Nahversorgung gestartet: Gemeinsam mit einem Lebensmitteleinzelhändler aus Sonnefeld, der sowohl stationär als auch mobil tätig ist, wird erstmalig eine Verkaufsroute derart angepasst, dass die in Neustadt und Sonnefeld derzeit unversorgten Ortsteile über einen bestimmten Testzeitraum angefahren werden. Mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit und Kampagnen soll verstärkt Bewusstsein in der Bevölkerung geschaffen werden, dass sie die Struktur ihrer Nahversorgung selbst durch ihr alltägliches Einkaufsverhalten beeinflussen kann. Wer alle Großeinkäufe auf der „Grünen Wiese" erledigt und im Nahversorger vor Ort nur die vergessenen Kleinigkeiten kauft, darf sich nicht wundern, wenn diese dann schließen. Letztlich sind Nahversorger Unternehmen, die sich wirtschaftlich tragen müssen. Mit der „Genussregion Coburger Land" entwickelt die Region bereits ein Anbieter-Netzwerk von vor Ort produzierten Lebensmitteln und zeigt Verkaufsstellen auf. Diese Produkte stehen für handwerkliche Qualität und kurze Wege und sind insofern auch ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz sowie zur Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe. Lebensmittel aus der Region zu kaufen ist somit ein weiterer Weg, die Nahversorgung vor Ort zu stärken. Hier kann auch die öffentliche Hand ihrer Vorbildfunktion gerecht werden was bspw. den Einkauf von Geschenkkörben oder die Bewirtung bei Veranstaltungen betrifft. Auch die heimische Gastronomie kann durch die Zusammenarbeit mit regionalen Produzenten deren Existenz nachhaltig sichern und somit örtliche Versorgungsstrukturen unterstützen. Durch gezielte Netzwerkarbeit soll das regionale Angebot abgestimmt und optimiert werden, vor allem was Vertriebswege und Kundenorientierung betrifft. Mit den Kommunen müssen fallbezoge individuelle Konzepte erarbeitet werden.