Schulen und Bildung
Ganztagsschule als Modellversuch erproben
Der Arbeitskreis sieht das Modell einer flächendeckenden Ganztagsschule für den Bereich der Grund-, Mittel- und Realschulen als zentrale Handlungsempfehlung und als adäquate Antwort auf die Herausforderungen des demografischen Wandels. Diese Maßnahme bildet die wichtigste Voraussetzung, um Bildungsgerechtigkeit, soziales Lernen sowie die Erreichbarkeit der Kinder und Jugendlichen für die Vereine, die Jugendarbeit und die Jugendhilfe abzusichern. Eine solche Beschulungsform unterscheidet sich von den bisherigen Ganztagsangeboten durch die intensive und strukturelle Einbindung der Jugendhilfe, der Vereine und der Verbände vor Ort. Ehrenamtliche Mitarbeiter können im Bereich der Mittagsversorgung und Betreuung eingesetzt werden. Der Einsatz der Schulsozialarbeit als Partner der Schulleitungen würde den Bereich des sozialen Lernens fördern; die Mitarbeiter könnten den Kindern und Jugendlichen als persönliche Stütze und Orientierung zur Seite stehen. Tagesmütter könnten die Betreuung der Kinder in den Randzeiten übernehmen. Sinnvoll wäre es auch, Fachdiensten und Beratungsstellen kontinuierlich einen Platz an den Schulen einzuräumen. Schulen würden so zu offenen Lern- und Lebensorten innerhalb der Sozialräume für Kinder und Jugendliche. Eltern muss derzeit die Wahlfreiheit zwischen Ganztagsklasse und Regelschule eingeräumt werden. Nach den gegenwärtig gültigen gesetzlichen Bestimmungen ist ein verpflichtendes Ganztagsangebot nur möglich, wenn an einer Schule in der jeweiligen Klassenstufe Zweizügigkeit besteht. Die Einführung einer flächendeckenden Ganztagsbeschulung wäre daher nur im Rahmen eines Modellprojektes denkbar. Ein solches ist derzeit für die Gemeinden des Mittelschulverbundes „Rund um den Prälax" angedacht. In das Modellprojekt sollten die Förderzentren sowie die Grund-, Mittel- und Realschulen einbezogen werden. Als positiver Nebeneffekt würden sich durch die aufeinander abgestimmten Schulanfangs und -endzeiten die Fahrten und damit verbunden die Kosten im Schülerverkehr deutlich reduzieren. Der Arbeitskreis Mobilität begrüßt die einheitliche Schulendzeit aufgrund der möglichen Kosteneinsparungen. Die Beförderungspflicht für die Heimfahrt bestünde damit nur am Nachmittag. Die Idee soll dem Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst vorgestellt werden; sollte dieses einem solchen Modell offen gegenüber stehen, wird eine Projektgruppe mit der Erstellung des Konzeptes beginnen.

 

Verpflichtende Schuleingangsuntersuchung für Kinder im Alter von vier Jahren einführen
Da alle Kinder im Coburger Land ihren Fähigkeiten entsprechend möglichst umfassend gefördert werden sollen, ist es mehr denn je von entscheidender Bedeutung, den Unterstützungsbedarf bei Kindern so früh wie möglich zu erkennen. Daher spricht sich der Arbeitskreis MORO dafür aus, neben der Schuleingangsuntersuchung mit sechs Jahren eine verpflichtende Untersuchung durch das staatliche Gesundheitsamt im Alter von vier Jahren einzuführen. Diese Empfehlung resultiert auch aus den Ergebnissen der Einschulungsuntersuchungen der vergangenen Jahre, bei denen kontinuierlich eine deutliche Zunahme von Kindern mit Auffälligkeiten zu verzeichnen war. Der Übergang von der Kindertagesstätte in die Schule sollte so gut wie möglich vorbereitet werden. Wird der Förderbedarf erst mit dem Schuleingang attestiert, setzen mögliche Hilfen zu spät an und der Übergang wird problematisch. Die geplante zusätzliche Untersuchung von Vierjährigen ermöglicht es, individuelle Unterstützungs- und Förderbedarfe früher zu erkennen und in der Folge auch früher mit der Förderung beginnen zu können. Es wird für dringend notwendig erachtet, die Untersuchung der Vierjährigen verpflichtend einzuführen, da bei einer Freiwilligkeit des Angebotes davon auszugehen ist, dass nur die ohnehin engagierten Familien erreicht werden. Kinder, deren Eltern sich dem vorhandenen Unterstützungs- und Förderbedarf nicht stellen wollen, blieben weiterhin unversorgt. Die Gesetzesgrundlage sollte dahingehend geändert werden, dass eine verpflichtende Untersuchung für Vierjährige mit aufgenommen wird.

 

Kindertagesstätte und Grundschule
modellhaft verzahnen
Anstellungsschlüssel für Kindertages-
einrichtungen anheben
Für den Bereich der Kindertagesstätten und Grundschulen wurde geprüft, welche Modelle den Aspekten der ganzheitlichen Bildung, Erziehung und Betreuung unter den Herausforderungen des demografischen Wandels Rechnung tragen können. Ziel ist es, möglichst viele Angebote wohnortnah zu erhalten, die Betreuungsqualität sicherzustellen und die Durchlässigkeit der verschiedenen Systeme zu erhöhen. Der Arbeitskreis schlägt vor, an einem geeigneten Standort ein Bildungshaus als Modellversuch zu erproben. Dabei sollen Kindertagesstätte und Grundschule räumlich und inhaltlich eng miteinander verzahnt werden. Als Modellstandort bieten sich Gemeinden an, bei denen bereits eine räumliche Nähe von Kindertagesstätte und Schule gegeben ist. Als erster Schritt soll ein Grobkonzept in Zusammenarbeit mit allen relevanten Akteuren entwickelt werden. Die dann notwendige grundsätzliche Abstimmung mit dem Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst ist Voraussetzung, um mit der Detailplanung zu beginnen. Grundlage für die Finanzierung der Kindertageseinrichtungen ist der vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration festgelegte förderrelevante Anstellungsschlüssel (Verhältnis von Arbeitszeit des pädagogischen Personals zu den gewichteten Buchungszeiten der Kinder), der aktuell bei 1 : 11,0 liegt. Ein Rückgang der Inanspruchnahme aufgrund sinkender Kinderzahlen hat somit automatisch einen reduzierten Personalstand in den Kindertagesstätten zur Folge. Mit einer stufenweisen Anhebung des Anstellungsschlüssels kann der Personalstand auch bei rückgängigen Kinderzahlen im jetzigen Umfang erhalten bleiben. Durch diese Maßnahme könnte Personal in den Tagesstätten flexibel für die gezielte Förderung der Kinder eingesetzt werden, um deren Schulfähigkeit und damit deren Bildungschancen zu erhöhen.